Sophie Leube

Nur zwei Tage nach ihrem hervorragenden dritten Platz beim CCI3 S in Luhmühlen ist Sophie Leube schon wieder mit zwei Pferden auf dem Weg zum Bonner Rodderberg unterwegs, um an einer Geländepferdeprüfung Kl. L teilzunehmen, als ich die Gelegenheit hatte, mit ihr zu sprechen.


Aus dem Foto von Tina Keller: Sophie Leube mit dem Bundeschampion Isselhook's First Sight TSF in Warendorf 2019

Sophie Leube - erfolgreicher Start in die neue Saison


Nachdem die Turniersaison wegen des Covid-19 Virus zunächst komplett auf Eis gelegt wurde, sind dank guter Hygienekonzepte nun nationale und internationale Turniere wieder möglich. Offensichtlich hat Sophie Leube diese unvorhergesehene Pause sehr sinnvoll genutzt, denn ihre Pferde hinterließen in den ersten Prüfungen einen sehr guten Eindruck.
 
 Dabei hat die 33j. Pferdewirtin, die bis zu ihrem Abitur in Tübingen(Baden-Württemberg) gelebt hat, einen eher ungewöhnlichen Weg in die Berufsreiterei gewählt. Entscheidend für ihre reiterliche Entwicklung war zunächst ihr Reitlehrer Friedrich Gohde, ein Schüler von Hans Joachim Köhler, Begründer der Reitpferdeauktionen und des Pferdemuseums in Verden. „Herr Gohde wurde 2000 Reitlehrer bei der Tübinger RG und hat mich vielseitig ausgebildet. Er hat mir die klassischen Grundsätze beigebracht und mir die Möglichkeit gegeben mit ihm junge Pferde auszubilden. Einer davon war „Wafan“ (v. Wolkentanz), den ich später dann sowohl Dressur-prüfungen bis zur Klasse S und Vielseitigkeiten bis zur Klasse L geritten bin“ erinnert sich Sophie Leube an diese prägende Phase in ihrer reiterlichen Ausbildung.
Doch nach dem Abitur entschied sie sich zunächst für ein Studium der Pferdewissenschaften an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, wo sie ihre Bachelorarbeit zum Thema „Veränderungen von Abstammung und Vollblutanteil von Vielseitigkeitspferden bei den Bundeschampionaten des deutschen Reitpferdes 1987 bis 2008“ schrieb und 2009 ihr Studium abschloss. In dieser Zeit absolvierte sie ein vierwöchiges Praktikum bei Peter Thomsen und erlebte seinen Mannschafts-erfolg bei den Olympischen Spielen 2008 in Hongkong hautnah mit. Insgesamt blieb sie ein ganzes Jahr in Lindewitt. Dank einer hartnäckigen Bewerbung absolvierte sie anschließend bei Reit-meisterin Ingrid Klimke zunächst ein viermonatiges Praktikum und ab 2010 eine Bereiterlehre, die sie zwei Jahre später mit der Auszeichnung durch die Stensbeck-Plakette erfolgreich beendete.
„Von beiden habe ich vor allen Dingen in der Ausbildung junger Pferde ganz viel gelernt, jeder hat seine eigene Herangehensweise und der Mix war genau richtig. Ohne die beiden wäre ich ganz sicher nicht dort, wo ich jetzt beruflich und sportlich stehe“ dankt sie den beiden so wichtigen Ausbildern.


Nach einem kurzen Abstecher auf den australischen Kontinent wurde die Anlage der Familie Plaas-Beisemann in Fröndenberg (dort ist, wie bereits berichtet Jörn Warner seit 2019 mit eigenem Stalltrakt beheimatet) ihre erste Station auf dem Weg in die Selbständigkeit.
 Wie aber baut man am Anfang eines neuen Weges Kontakte zu Züchtern und Pferdebesitzern auf, um gute Pferde zu finden? „Sicherlich hat mir dabei zu Beginn vor allen Dingen Ingrid, die so viele Anfragen erhält, geholfen. Grundsätzlich bleibt dies sicher der schwierigste Teil in meinem Beruf, denn alle Sportreiterinnen und Sportreiter suchen ständig gute, junge Pferde. Für mich war es wichtig, die Pferde möglichst jung zu bekommen und sie selber auszubilden, so wie ich es vor allen Dingen in meiner Lehre bei Ingrid gelernt habe“.
 Seit 2018 betreibt Sophie Leube in unmittelbarer Nähe zum RV Hamm-Rhynern ihre eigene Anlage mit 19 Boxen, wo sie mit ihrem Mann auch wohnt, der sie beim Aus- und Umbau tatkräftig unterstützt und wo sie sehr gute Trainingsbedingungen hat. Eine Teilzeitangestellte und Praktikanten helfen ihr bei der täglichen Arbeit. Stellvertretend für ihre derzeit 12 Ausbildungspferde werden die bisher bekanntesten Pferde vorgestellt. 
 
 

 Aus Bayern von der Züchterfamilie des Dr. Freiherr von Schoen wurde ihr 2015 die Stute Jadore Moi (geb. 2010) zur Ausbildung anvertraut (Foto von der WM in Le Lion d'Angers 2016 von Libby Law).
Das kurzfristige Ziel war, sie in dem Jahr beim Bundeschampionat vorzustellen, was mit sehr guten Qualifikationen gelang. Ihr Vater ist der Holsteiner Conthargos v. Converter/Contender und der Muttervater der selbstgezogene Asih, mit dem der Südafrikaner Alexander Peternell bis 5 Sterne in der Vielseitigkeit unterwegs war. 
 „Ich liebe dieses Pferd, weil sie eine außergewöhnliche Einstellung hat und jeden Tag immer das Beste geben will, obwohl sie im Umgang schon manchmal sehr speziell sein kann. Wir konnten damals die erste Qualifikationsrunde des Bundeschampionats sogar gewinnen, wurden dann aber leider nachträglich disqualifiziert, weil Asih kein gekörter Hengst war“ erinnert sich Sophie Leube mit gemischten Gefühlen. Das sollte aber nichts am weiterhin erfolgreichen Weg der beiden ändern, denn sowohl 2016 (13.) als auch 2017 (17.) erreichten sie gute Ergebnisse bei der WM der jungen Vielseitigkeitspferde in Le Lion d‘Angers. Während die Stute hier noch mit einer Hypothek von über 50 Minuspunkten aus der Dressur heraus ging, hat sich die weitere konsequente Ausbildung sehr positiv bemerkbar gemacht. Schon im vergangenen Jahr präsentierte sich Jadore Moi in den beiden CCI4 Strzegom (Platz 5) und Baborowko (2.) mit Dressurnoten von 30 bzw. 32 Minuspunkten deutlich verbessert. 


 Aktuell beim Saisonauftakt im CCI3 in Westerstede (27,7) und Luhmühlen (22,0) erzielte das Paar neue Bestergebnisse. Vor allen Dingen am letzten Wochenende gegen ganz starke Konkurrenz verhinderte nur Weltmeisterin Sandra Auffarth mit Viamant du Matz, die lediglich 0,1 Minuspunkte weniger erhielten, den Sieg in der Teildisziplin. Doch ein Blick auf die geschlagenen Pferde Chipmunk und Rocana (beide Michael Jung) oder Samourai du Thot (Julia Krajewski) sollte für die weiteren Aufgaben viel Selbstvertrauen geben. „Dörte (Stallname von Jadore moi) hat schon im Training angedeutet, dass sie sehr konstant geworden ist. Die Kunst ist es dann, dies auf den Punkt in der Prüfung zu zeigen und das ist uns besonders in Luhmühlen sehr gut gelungen. Das Springen war ganz überzeugend und ich ärgere mich ein wenig über die drei Sekunden Zeitüberschreitung im Gelände. Da waren meine Minutenpunkte wohl nicht optimal, aber ansonsten gab sie mir auch hier ein sehr gutes Gefühl. Wir werden Mitte Juli in Strzegom in der CCI4 an den Start gehen und die weiteren Prüfungen hängen dann vom dortigen Abschneiden ab, wobei eine lange Viersterne-prüfung am Saisonende ein Ziel wäre“ bilanziert Sophie Leube den sehr guten Saisoneinstieg ihrer derzeitigen Nummer 1 im Stall.

 Ein Jahr jünger und ein komplett anderes Pedigree – das ist die westfälische Stute Scarlet K, die vom Züchter und Besitzer Klaus Kock erst vor vier Jahren in Sophie Leube‘s Stall kam. Mit den beiden bis Grand Prix erfolgreichen Dressurhengsten Scandic und Carabas als Vererbern stand zunächst eine andere Disziplin im Vordergrund. „Sie kam sechsjährig zu mir, hatte bis dahin wohl noch nie einen Sprung unter dem Reiter gemacht. Aber sie besitzt ganz viel Power und verfügte über reichlich Galoppiervermögen. Als dann die ersten Sprünge sehr gut klappten, haben wir sie weiter vielseitig gefördert und nach den beiden ersten CCI1 Ende 2018 konnte sie zu Beginn der Saison 2019 direkt zwei CCI2 in Münster und Ostbevern gewinnen sowie den 6. Platz beim CCI3 Hamm belegen“ .
Sophie Leube stellte Scarlet ebenfalls in Westerstede erstmals wieder in dieser Saison vor. Hier überraschten 21,1 Minuspunkte in der Dressur gewiss nicht und nach einem Abwurf im Parcours sowie einer schnellen, fehlerfreien Runde in der Zeit im Gelände war der Saisoneinstieg mit einem vierten Platz gelungen. Eine kleine Weideverletzung verhinderte den geplanten Start in Luhmühlen, aber sie ist bereits wieder im Training, so dass auch bald wieder ein Turnierstart geplant ist.

 Ein echter Hingucker und für den Busch prädestiniert ist der jetzt 7jährige gekörte Trakehnerhengst Sweetwaters Ziethen von Abendtanz/Hirtentanz/Axis aus einer Angloarabermutter von Campetot, der von Dr. Dieter Schön in Lübeck gezogen wurde (Foto aus Le Lion d'Angers 2019 von Libby Law). Der Schweizer Joerg Muehlethaler betreibt im bulgarischen Aytos ein Gestüt, in dem hochwertige Renn- und Sportpferde für den Galopp- und Turniersport gezüchtet werden. „Ich habe Ziethen einjährig gemeinsam mit seiner Mutter gekauft. Leider kann Dr. Schön, den ich für einen großen Pferdemann halte, die Erfolge seines Hengstes nicht mehr miterleben. Er wäre sehr stolz auf ihn“ berichtet der Gründer des Sweetwater Stud und erklärt anschließend, wie er auf die Idee kam, Sophie Leube als Reiterin auszuwählen:„ Sophie fiel mir schon auf, als sie noch bei Ingrid war. Dann der schöne Erfolg mit Jadore Moi in Le Lion. Sie ist eine sehr gefühlvolle Reiterin und genau so jemanden braucht man für blutgeprägte Pferde so wie wir sie züchten. Neben dem eigentlichen Reiten, stimmt auch das ganze Drumherum. Sie ist äußerst kompetent, auch was das Management des Pferdes betrifft. Man hat immer das Gefühl " to get the real story" und das ist sehr wichtig, wenn man 2500 km entfernt ist. Jede Entscheidung ist nachvollziehbar und immer am Endziel orientiert“. 



„Als Joerg mich 2017 fragte, ob ich den Rappen weiter ausbilden möchte, war das für mich auch Neuland, denn bisher hatte ich noch keinen Hengst im Stall gehabt, aber konnte hier wieder auf Erfahrungen in meiner Ausbildung bei Ingrid zurückgreifen. Ziethen weiß schon sehr wohl, dass er Hengst ist und wir stellen ihn morgens ganz früh vor den anderen Pferden auf seine Weide. Er ist ein ganz besonders intelligentes Pferd und es macht soviel Spaß mit ihm zu arbeiten. Er hat sich toll entwickelt. Fünfjährig musste er zuerst noch Sportprüfungen für seinen Einsatz als Deckhengst absolvieren und schon in den ersten Geländepferdeprüfungen zeigte er ganz viel Vermögen. 2019 qualifizierte er sich problemlos für das Bundeschampionat und wenn sich unsere Wege kurz vor dem Ziel im Finale nicht getrennt hätten, wäre eine Medaille zum Greifen nah gewesen. Nach einer überzeugenden Leistung beim CCI2 Waregem wurden wir für die WM in Le Lion d‘Angers nominiert. Dort war er knapp Zweiter in der Dressur mit 26,6 Minuspunkten und verteidigte die Position mit einer tollen Geländerunde in der Zeit“ schwärmt Sophie Leube. Leider regnete es in der Nacht vor dem abschließenden Springen heftig und der Grasboden im Springstadion war alles andere als championatswürdig. An einem Sprung rutschte der sonst immer sicher springende Hengst mehr in einen Sprung, aber setzte den Rest des Parcours völlig unbeeindruckt und fehlerfrei fort. Dieses Pech und 5,6 Strafpunkte kosteten eine verdiente Medaille, doch mit dem 5. Platz bewies Sweetwaters Ziethen seine Klasse auf internationalem Parkett. 
 Auch für ihn war das Turnier in Westerstede der Start in die neue Saison. Im CCI2 beeindruckte er mit einer Ausnahmedressur von 19,6 Minuspunkten und blieb sowohl im Springen als auch Gelände fehlerfrei. Mit dem Sieg ist der Beginn für eine hoffentlich erfolgreiche Saison geschafft, an dessen Ende ein erneuter Start bei der WM in Le Lion d‘Angers, die nun doch stattfinden soll, geplant. Erfreulicherweise haben die Organisatoren mittlerweile den Platz für die Dressur- und Spring-prüfung mit einem Allwetterboden ausgestattet.
 
 

Ein weiterer vielversprechender Youngster und ebenso gekörter Trakehnerhengst ist der sechsjährige Isselhook‘s First Sight TSF (Züchterin: Simone Lindemeier-Trippel). Vom Besitzerehepaar Inge und Frank Weißkirchen aus Raesfeld wurde er 2018 zur Ausbildung zu Ingrid Klimke gebracht , im Herbst übernahm ihn Sophie Leube und er qualifizierte sich fünfjährig mit ihr auf direktem Wege für das Bundeschampionat 2019. „Goody (wie er im Stall genannt wird) ist eine coole Socke und mit den wachsenden Anforderungen wird er immer besser. Er ist sensibel, schlau, ehrgeizig und leistungswillig“ beschreibt Sophie Leube den vielseitig veranlagten Hengst. Der Sohn des Lossow/Suchard aus einer Hibiskus/Latimer/Saint-Cloud Mutter beindruckte im Finale in Warendorf mit Wertnoten von 8,4 (Dressur), 7,9 (Springen) und 9,2 (Gelände). Da die Leistung im Gelände doppelt gewertet wird, standen am Ende 34,7 Punkte auf dem Konto und er bescherte dem Gestüt Isselhook einen Bundeschampion in der Vielseitigkeit (Foto vom Bundesfinale: Stephan Bischoff). Das Ehepaar Weißkirchen setzt dort eine Familientradition fort und züchtet seit vielen Jahren Trakehner Sportpferde. „ Es war Ingrid Klimke, die vor zwei Jahren den Kontakt zu Sophie herstellte. Für uns als langjährige Züchter und Pferdebesitzer ist Sophie ein wahrer Glücksgriff! Es gibt viele Dinge, die sie auszeichnen: Da ist zum einen ihre hohe Professionalität und ihre Fähigkeit, sich auf verschiedenste Pferde einstellen zu können. Sie ist unheimlich fleißig und zielstrebig, stets verbindlich und alles, was sie macht, geschieht zum Wohl der Pferde. Eine große Unterstützung erfährt Sophie durch ihre Familie, da packen alle mit an. Uns macht es große Freude zuzusehen, wie sich vor allem die jungen Pferde unter ihrer Ausbildung entwickeln. Und wir sind auch ein bisschen stolz, von Anfang an Teil dieses kleinen Teams zu sein. Mein Mann und ich sehen eine große Zukunft für die sympathische und zurückhaltende Reiterin, die genau weiß, was sie will. Wir freuen uns sehr darauf, ihren Weg begleiten und den ein oder anderen Glücksmoment mit ihr teilen zu dürfen“ beschreibt Inge Weißkirchen die freundschaftliche Zusammenarbeit.


Und hier schließt sich nun der Kreis. Am Dienstag setzte Isselhook‘s First Sight TSF ein weiteres Ausrufezeichen, denn er gewann die Geländepferdeprüfung Klasse L am Bonner Rodderberg mit 9,4 Punkten vor den beiden Nachwuchshoffnungen Great Twist und Icy Tonic von Julia Krajewski.
 Man kann sich schon heute auf ein qualitativ anspruchsvolles Bundeschampionat 2020 in der Vielseitigkeit freuen.
 
 Von der im therapeutischen Reiten sehr engagierten Trakehnerzüchterin Marion Drache (Windhagen) stehen mit dem 6j. Skyjacker (v. Sixtus/Habicht aus einer Cadeau-Mutter) und einem 4j. Trakehner zwei weitere junge Vielseitigkeitspferde mit Perspektive in Sophie Leube‘s Stall. Skyjacker konnte in diesem Jahr bereits eine Geländepferde L mit 9,2 gewinnen und damit ein Qualifikationsergebnis für das Bundeschampionat erreichen.
 
Bis heute ist Sophie Leube kein offizielles Kadermitglied, was eventuell daran liegt, dass sie nicht den klassischen Weg über die Junioren- bzw. Junge Reiterkader gegangen ist, sondern sich erstmal ein berufliches Standbein gesichert hat. Inzwischen hat sie aber den Status einer Kaderanwärterin bekommen und nimmt somit an Lehrgängen mit Bundestrainer Hans Melzer teil. Im Springen vertraut sie auf die Zusammenarbeit mit Peppi Dahlmann sowie Disziplintrainer Marcus Döring. Und natürlich kann sie sich immer an ihre Ausbilderin Ingrid Klimke wenden.